Kino Django-Unchained-©-2012-Sony-Pictures

Veröffentlicht am 15. Januar 2013 | von Martina Brenner

5

Django Unchained

Django Unchained Martina Brenner

Wertung

Summary: gelungener Rachefeldzug gegen Sklavenhandel, tolle Spaghetti-Western Hommage, Waltz brilliert abermals, Ende vielleicht zu lang

4.5

Western


User Rating: 4.1 (9 votes)

Eines steht fest: Wer Inglorious Basterds mochte, wird Django Unchained lieben. Quentin Tarantino rechnet diesmal mit der Sklaverei in Nordamerika ab und dabei bleibt natürlich kein Auge trocken…

Der deutsche Kopfgeldjäger und Zahnarzt Dr. King Schultz befreit den Sklaven Django, um den Aufenthaltsort und die Gesichter der von ihm und der Regierung gesuchten Mörder zu erfahren. Sie reisen durch Amerika und verdienen als Kopfgeldjäger ihr Geld, indem sie Weiße erschießen – das gefällt dem befreiten Django naturgemäß. Die wesentliche zweite Mission, bei der Schultz im Gegenzug Django hilft, ist die Befreiung von Broomhilde, der Ehefrau Djangos, die auf der riesen Baumwollfarm Candieland als Sklavin arbeiten muss. Die Befreiung geht freilich nicht glatt über die Bühne, sondern artet in einer Schießerei aus, die in einer Explosion gipfelt, wie wir es von Inglorious Basterds kennen.

Django Unchained ist ein Genrefilm – er hat sich den italienischen Spaghetti-Western der 1960er- und 70er-Jahre auf die Fahnen geheftet und ihn mit einer Liebesgeschichte versetzt. Franco Nero, der Django Darsteller in Sergio Corbuccis gleichnamigen Film von 1966 hat dabei sogar einen Gastauftritt bekommen. Trotzdem setzt sich der Film an einigen Stellen deutlich vom Western ab, verspiegelte Sonnenbrillen und ein stellenweiser moderner Soundtrack sind dabei die absurden Ausdrucksmittel. 

Tarantino hat Christoph Waltz die Rolle auf den Leib geschrieben, das ist nicht zu übersehen. Als schurkischer Dr. Schultz bringt er Mörder zur Strecke, ist dabei gerissen, schlau aber auch überaus kaltblütig. Mit einem zynischen Lächeln im Gesicht zückt er in Sekundenschnelle seinen Colt und lässt das Blut spritzen. Diese Fertigkeit bringt er Django bei und macht ihn zu seinem Gefährten und Mitarbeiter. Der überlegte Deutsche muss den Hitzkopf Django immer wieder einbremsen, um seine Pläne durchzubringen. Jamie Foxx verkörpert die Rolle des schweigsamen Westernhelden Djangos, der befreit Rache nimmt an seinen und den Peinigern eines ganzen Volkes. Schultz und Django sind ein gegensätzliches Paar, dessen Jagd durchsetzt mit witzigen Dialogen durch Amerika führt.

Dem wichtigsten Gegenspieler begegnet das Paar am Ende seiner Reise: Leonardo Di Caprio als sadistischer Plantagenbesitzer Candie  und Samuel L. Jackson als dessen “Hausnigger” und Vertrauten. Als Schultz und Django sich auf der Baumwollfarm niederlassen um Broomhilde freizukaufen, kommt der Film zum Höhepunkt der Brutalität: Menschen werden von Hunden zerrissen, müssen als Mandingos im Saloon des Plantagenbesitzers kämpfen bis sie tot sind oder werden nackt in Erdlöcher gesperrt.

Der Film thematisiert mit der Sklaverei ein Thema, das Amerika gern vergisst. Afrikaner wurden nicht als Menschen zweiter Klasse gesehen, nein, sie wurden als nicht menschlich klassifiziert und man beutete sie brutal aus. Der Kampf gegen die Rassentrennung dauerte bis tief ins 20. Jahrhundert, vor wenigen Jahren noch konnte sich niemand vorstellen, dass Amerika einen schwarzen Präsidenten hätte, und auch heute ist Rassismus da und dort noch ein Thema, Es ist also sicherlich kein Zufall, dass Dr. Schultz mit Vornamen King heißt, wie Martin Luther King. Tarantino steckt diesen Teil amerikanischer Geschichte ins Gewand der Filmgeschichte der 60er-Jahre, fügt eine Liebesgeschichte hinzu und lässt die Schwarzen Rache nehmen an den Weißen: sehr brutal, ohne Mitleid aber mit viel Witz und teilweise absurdem Humor. Dass Tarantino das kann, hat er mit diesem Film zum wiederholten Mal bewiesen.

Regie & Drehbuch: Quentin Tarantino, Darsteller: Jamie Foxx, Christoph Waltz, Samuel L. Jackson, Leonardo Di Caprio, Laufzeit: 165 Minuten, Filmstart: 18.1.2013

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Über den Autor

Aufgabenbereich selbst definiert als: Kinoerlebnissesammlerin. Findet es schön, dass “die Kamera etwas sieht, was das menschliche Auge durch den Gewohnheitsblick nicht wahrnimmt. Das ist Kino.” (Alexander Kluge).



  • http://www.facebook.com/HDCracker Ru Di

    Typisch Tarantino eben! Ein wirklich gelungener Film mit einer tollen Geschichte! Gut, etwas zu viel Fleisch und Blut – aber das ist einfach Tarantino-Style. Wer Kill Bill mag, wird den Film auch mögen. Und vor Allem – keine Kurzgeschichte von 90 Minuten.

  • Marco

    also mir hat er auch sehr gut gefallen. War positiv überrascht. Film hat zwar längen (die fahrt nach Candyland z.B.) aber das trübt das Gesamtbild nicht so sehr. Figuren haben mir auch sehr gut gefallen, allen voran Waltz, DiCaprio und Jackson. Jamie Foxx hat mich zum ersten Mal seit Collateral nicht genervt, ist aber bei weitem die uninteressanteste Figur, macht aber auch nicht so viel.
    Manchmal hats Tarantino auch ein bisschen mit der Gewalt übertrieben, wodurch sie einen Comic-Stil bekommt, was nicht immer zum Thema passt aber zu Tarantinos Filmen. Außerdem stellt er auch die Figuren differenzierter dar.
    Abgesehen davon steh ich auf Western :)

  • Martina Z

    ich fand ihn auch sehr gut. überraschend sogar. tolle figuren. und christoph waltz!!!

    • Chris

      ich war nicht ganz so begeistert/überzeugt – Waltz war ok, hat mir aber in I.B. besser gefallen. Hier hat er für mich nur dahingehend funktioniert, das er absurderweise quasi das moralische Gewissen des Films war (der gute Deutsche, der nichts von Sklaverei hält etc.) – also das genaue Gegenteil seiner I.B.-Figur. Überraschend war vor allem Leonardo DiCaprio, der ja sonst nicht ganz so mein Fall ist.

    • Martina Z

      Na ja, begeistert ist das falsche Wort. Mir hat Waltz in Inglourious Basterds auch gut gefallen. Eindimensional finde ich seine Figur in Django Unchained aber nicht. Wäre einfach, aber das gute, reine, moralische Gewissen kann er an sich schon nicht sein, weil er Menschen für Geld tötet. Ok, er ist Deutscher, das macht schon Sinn, weil es doch auch um das Spannungsfeld zwischen Kultur und Barbarei geht. Da steckt sehr viel (Konflikt-)Potential drinnen. Laut Tarantino hat das auch etwas mit Vergangenheitsbewältigung zu tun. Nun ja…

      Waltz verkörpert nicht nur die Figur, sondern zu einem guten Teil ein Grundthema des Films, und den abrupten Wechsel zwischen Witzbold und Ernst mochte ich und dass sich diesmal auch viel auf seinem Gesicht, jenseits der Worte, abspielt.
      Überhaupt die Zweiteilung des Films und das Changieren zwischen Parodie und Tragik, war anders als in den letzten Filmen von Tarantino. Der Film kam mir emotionaler vor, weniger ‘cool’, sondern lustiger, die Figuren insgesamt vielschichtiger. Ich weiß nicht, ist vielleicht nur ein gradueller Unterschied. Und die Schauspieler, die ihre Sache gut gemacht haben – ja, sogar der Leo, der auch nicht mein Fall ist, aber zu denen gehört, die dennoch immer wieder mal positiv überraschen.
      Interessant jedenfalls.

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