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Veröffentlicht am 25. Oktober 2012 | von Martina Zerovnik

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White Vengeance

White Vengeance Martina Zerovnik

Wertung

Summary: Großes Spektakel mit feinen Kostümen, aber mittelmäßige Unterhaltung sowie ebenso verwirrende Erzählweise und Kameraführung

1.5

Action-Drama


User Rating: 1.4 (1 votes)

Das Ende der Quin-Dynastie in China lieferte schon das historische Input für eine unüberschaubare Anzahl an Filmen, darunter so prominente wie „Tiger & Dragon“ oder „Hero“. Der Hongkonger Regisseur Daniel Lee („Three Kingdoms“, „14 Blades“) machte sich nun mit „White Vengeance“ an eine Neuinterpretation der Geschichte…

206 vor Christus stürzen Rebellen das Land ins Chaos. Die Anführer Liu Bang (Leon Lai) und Xiang Yu (Feng Shaofeng), die einst selbst im Kampf zu Brüdern wurden, scharen immer mehr Verbündete um sich. König Huai von Chu fürchtet um seine Vormachtstellung im Reich und beschließt, die beiden gegeneinander auszuspielen. Er verspricht demjenigen den Herrschertitel, der das Quin-Königreich in Guanzhong einnimmt. Im Wettstreit um die Eroberung und die Zuneigung zu Xiang Yus Geliebter Yu Ji (Liu Yifei) werden die beiden einstigen Gefährten zu Rivalen. Mit jeder Auseinandersetzung wächst in ihnen nun die Gier nach Macht und aus ihrer Freundschaft wird Feindschaft.

Die Erzählung entwickelt Daniel Lee, der auch das Drehbuch schrieb, aus der Sicht eines mysteriösen Mannes, der am Beginn des Films auftritt und eine Rückblende eröffnet. Auch im weiteren Verlauf folgen immer wieder kurze Rückblenden, die auf die größeren Zusammenhänge hinter den Winkelzügen der Figuren hinweisen sollen. Doch wirken sie eher als rein strukturierendes Stilmittel und sind in ihrer Kürze nicht selten überflüssig oder mehr verwirrend als erhellend.

 

Im Vordergrund stehen die Mechanismen von Politik. Lee konzentriert sich auf die Machenschaften rund um und zwischen den beiden Protagonisten, die im „Hongmen-Bankett“ ihren Höhepunkt erreichen. Dabei handelt es sich um ein historisches Festgelage zwischen Xiang Yu und Liu Bang und ihren Vertrauten. Die Parteien entwickeln ihre Züge wie in einem Schachspiel („Go“), das im Film (und nicht nur in diesem) als Sinnbild für Politik und kriegerische Auseinandersetzungen steht. Spätestens als die Kontrahenten unter der Regie ihrer Berater stehen, treten das Taktische und Berechnende ihrer Handlungen, aber auch ihre scheinbare Abhängigkeit deutlich in den Vordergrund. Dass es sich bei Politik um ein großes Verwirrspiel handeln kann und nicht immer klar ist, wer wen benutzt, zeigt „White Vengeance“ gleich in doppelter Weise.

Kampfszenen spielen hingegen eine geringere Rolle. Lee setzt hier auf einen ästhetischen Effekt, der ein Spiel aus Waffen und Licht und weniger das Aufeinanderprallen der Krieger inszeniert. Eine sehr unruhige Kamera kommt als Irritationseffekt hinzu. Das wirkt nicht immer gelungen, sondern einerseits gar nicht beabsichtigt oder andererseits wiederum erzwungen. Und es gelingt ihr nicht von der schwachen Umsetzung und Darstellung abzulenken, im Gegenteil.

Trotz der sichtbaren Gestaltung, einem konsequenten Stilwillen und dem Bemühen aus der breiten Masse an asiatischen Historienverfilmungen hervorzustechen, ist „White Vengeance“ zwar interessant, aber nicht unbedingt ein befriedigendes Kinoerlebnis. Zu viele Schwächen, Irritationen und Wackler trüben den Gesamteindruck, der sich den Begleiterscheinungen eines geringen Budgets einfach nicht entledigen kann.

Regie: Daniel Lee, Drehbuch: Daniel Lee, Darsteller: Feng Shaofeng, Leon Lai, Hanyu Zhang, Liu Yifei, Anthony Wong, Jordan Chan, Filmdauer: 135 Minuten 

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Über den Autor

Aufgabenbereich selbst definiert als: Filmleserin. Lächelt über “Oh diese Technik [Film] ist sehr entwicklungsfähig, fast reif zur Kunst” (Döblin).



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